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Januar 2006, Fließ, oh, Blut!

Irgendwann im Januar 2006...

Es ist eiskalt draußen. So eine Kälte habe ich nur selten gefühlt. Der Tag war schön, die Luft so klar wie Eis und jetzt bei Nacht, sehe ich jeden einzelnen Stern am Himmel. Ich habe das Gefühl, sie berühren zu können, sie mir nehmen zu können. Kombiniert mit dem Wissen, wie unendlich alt das Licht ist, schnürt mir der Anblick angenehm die Luft ein.

Ich laufe mit meinem Hund, der von der Leine gelassen freudig durch den gefrorenen Schnee jagt, auf einen Hügel nah bei unserem Haus. Hier war niemand, seit der Schnee gefallen ist. Es ist Vollmond und Bäume werfen knochige Schatten auf die unendliche Eis-Schnee-Fläche. Alles glitzert, als hätte ein mystisches Wesen seine Kristalle hier verloren.

In meiner Jackentasche drehe ich die Plastikschachtel mit den Rasierklingen zwischen meinen Fingern. Ich bin erregt, freudig und hibbelig. Seit Tagen hab ich mich nicht mehr angerührt. Es wird kritisch in der Schule, im Sportunterricht, die Leute werden aufmerksam. Es ist fast noch schwieriger als im Sommer.

Ich komme, leicht außer Atem, auf dem Hügel an. Gut dass mir warm geworden ist. Gleich wird es ja so oder so kalt genug. Der Hund jagt über die glitzernde Fläche und ich laufe ihm ein bisschen nach, rutsche fast aus und muss laut über mich selbst lachen. Es ist herrlich so alleine zu sein, so für sich.
Ich gehe langsam auf eine Bank zu. Die Bank wird wohl nicht mehr lange stehen, das Eis und die Feuchtigkeit haben das Holz total zerfressen.
Tief, ganz tief, atme ich die kalte Luft ein und schließe die Augen. Ein Schaudern läuft über meinen Rücken, ich bekomme vor lauter Vorfreude eine Gänsehaut und wäre es nicht so erbärmlich kalt, würde ich wohl scharf werden.
>Komisch...<, denke ich bei mir. >Ich tue so, als sei die Klinge ein Schwanz...“

Ich ziehe den Reißverschluss meines Mantels auf und lege ihn wie eine Decke über mich. Dann fische ich, zuerst in der Falschen Jackentasche, nach der Schachtel. Ich zittere – wegen der Kälte, oder wegen der Aufregung? Ich weiß es nicht wirklich.
Mit spitzen Fingern ziehe ich eine neue Klinge aus der Schachtel und mache das Papier weg.

Die Klinge glitzert im Licht. Ich beschließe diese Spannung aufzulösen. Ich bin alleine, wozu das zögern?
Ich ziehe die 3 Ärmel hoch, die mich vor der Kälte schützen sollen und setze die Klinge an. Wieder zögere ich. Den ersten Schnitt mag ich nie besonders.
Aber dann rucke ich mit der Hand nach Recht. Kaum Blut. Klar, es ist kalt. Also der nächste Schnitt, etwas tiefer. Ein paar Tropfen auf der Haut. Noch einer. Noch einer. Meine Bewegungen werden schneller. Ich höre mich selbst stöhnen. Noch einer und einer noch. Sie werden immer tiefer, aber das bekomme ich kaum mit. Inzwischen fließt es und tropft sogar, mal rote Bilder auf weißen Schnee.
Ich schließe die Augen. Mir wird warm, innerlich. Irgendwann lasse ich die Klinge in den Schnee fallen. Ich bedaure es, dass ich keine Kamera mitgenommen habe. Ich lasse den Kopf in den Nacken fallen und genieße das Gefühl an meinem Arm.

Mir ist schwindelig, ich habe heute nichts gegessen. Und ich fühle mich gut. Dem Himmel so nah. Hätte ich doch nur etwas getrunken...und Aspirin geschluckt...dann würde es besser fließen.
Das Blut ist bereits geronnen. Aber es ist genug für heute, das weiß ich. An meinem Arm ist kaum noch Platz. Alles am abheilen oder gerade frisch dazugekommen. Ich kann den Oberarm nicht freimachen, dazu habe ich zu viel Kleidung an. Also genieße ich die Kälte um das gerinnende Blut herum.

Nach einer Weile greife ich in die andere Jackentasche, ziehe eine Packung Taschentücher. Ich zupfe die glibberigen, geronnen Blutfäden weg, tupfe das Gröbste weg und ziehe vorsichtig die Ärmel über die Arme.

Ich pfeife den Hund zu mir und verscharre die Klinge im Schnee, Das Blut lasse ich so, wie es ist. Soll sich der nächste, der hier vorbeikommt, doch den Kopf zerbrechen.

Ich gehe wieder nach Hause, freue mich auf eine kochend heiße Dusche und bin...
Glücklich, zufrieden...ich selbst.
10.1.09 16:06
 


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